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Ginkgo-Supplement: So lesen Sie das Etikett richtig

Ein brauchbares Ginkgo-Etikett verrät Ihnen drei Dinge: welcher Pflanzenteil verwendet wurde, wie der Extrakt gewonnen wurde und wie viel von den interessanten Verbindungen tatsächlich drin ist.

  • 6 Min. Lesezeit

Ein brauchbares Ginkgo-Etikett verrät Ihnen drei Dinge: welcher Pflanzenteil verwendet wurde, wie der Extrakt gewonnen wurde und wie viel von den interessanten Verbindungen tatsächlich drin ist. Steht dort nur „Ginkgo“ und eine Milligrammzahl, wissen Sie fast nichts. Die meisten Produkte auf dem Markt arbeiten mit Blattextrakt, und genau dort müssen Sie am genauesten hinsehen – denn zwei Flaschen mit „120 mg Ginkgo-Extrakt“ können sehr unterschiedliche Mengen derselben Moleküle enthalten.

Eines vorweg, damit Sie es einordnen können: Selbst ein vorbildliches Etikett ändert nichts daran, dass die Belege dafür, ob Ginkgo bei gesunden Erwachsenen Gedächtnis oder Konzentration unterstützt, nicht schlüssig sind. Darauf kommen wir später zurück. Zuerst das Etikett.

Standardisierter Extrakt: Was das Wort verspricht und was es verdeckt

„Standardisiert“ heißt, der Hersteller verpflichtet sich, dass der Extrakt einen Mindestanteil oder einen festgelegten Bereich von einem oder zwei Stoffgruppen enthält – üblicherweise Flavonoide (Flavonglykoside) und Terpenlactone. Das ist ein Versprechen auf Gleichmäßigkeit zwischen Chargen, kein Versprechen auf absolute Qualität. Auf dem Etikett kann etwa „standardisiert auf 24 % Flavonoide“ stehen, und das ist eine nützliche Angabe.

Das Problem: „standardisiert“ ist keine einheitliche Norm. Eine Untersuchung von Ginkgo-Produkten aus dem US-Handel im Jahr 2002 fand Flavonoidgehalte zwischen 24 % und 36 % und Terpenlactone zwischen 4 % und 11 % des Extrakts. Alle durften sich standardisiert nennen, waren aber nicht dasselbe. Dieselbe Untersuchung stellte fest, dass viele Produkte, die die deutsche Kommission-E-Monografie zitierten, deren Spezifikation nicht erfüllten – Flavonoide zwischen 22 % und 27 %, Lactone zwischen 5 % und 7 % – und damit untereinander nicht als pharmazeutisch äquivalent gelten konnten. Ein Verweis auf die Kommission E auf dem Etikett garantiert also nicht, dass das Produkt sie einhält.

Diese Zahlen stammen aus 2002 und von US-Marken. Ob sie heutige europäische Produkte beschreiben, wissen wir nicht, und ob sich die Lage zum Besseren oder Schlechteren verändert hat, ebenfalls nicht. Was bleibt, ist der Grundsatz: Nennt das Etikett keine Prozentangaben zu Flavonoiden und Lactonen, wissen Sie nicht, was Sie kaufen.

Was auf dem Etikett stehen sollte – und was das Fehlen bedeutet

Fangen Sie bei der Zutatenliste an. Dort sollte „Ginkgo-biloba-Blätter-Extrakt“ oder etwas Gleichwertiges stehen, mit erkennbarem Pflanzenteil. Das Blatt ist die übliche Form im Supplement. Steht dort etwas von Samen, hören Sie auf: Frische Ginkgo-Samen sind beim Verzehr giftig, und schwerwiegende unerwünschte Wirkungen sind sowohl bei gerösteten Samen als auch bei der rohen Pflanze beschrieben worden.

Dann suchen Sie drei Zahlen. Fehlt eine davon, behandeln Sie das als Lücke, nicht als Detail:

  • Prozentualer Flavonoidgehalt im Extrakt. Ohne diese Angabe wissen Sie nicht, auf welche Stoffgruppe sich der Hersteller festgelegt hat.
  • Prozentualer Gehalt an Terpenlactonen. Das ist die zweite Gruppe, die seriöse Etiketten angeben.
  • Ginkgolsäuren, in ppm oder als Höchstkonzentration. Diesen Punkt übersehen viele, und er schwankt am stärksten. Die Untersuchung von 2002 fand Werte von unter 500 ppm bis etwa 90 000 ppm zwischen verschiedenen Produkten – zwei Größenordnungen Unterschied bei derselben Stoffklasse.

Die Gesamtmenge Extrakt – die besagten „120 mg“ – ergibt erst Sinn, wenn Sie die Konzentration der relevanten Verbindungen kennen. Sechzig Milligramm eines gut charakterisierten Extrakts können mehr sein als zweihundert Milligramm eines schlecht definierten. Die große Zahl auf der Packung sagt am wenigsten von allem.

Ein praktischer Punkt kommt hinzu: wie schnell sich Tablette oder Kapsel auflöst. Dieselbe Untersuchung prüfte die Auflösung und fand, dass die meisten Produkte über 75 % der Wirkstoffe in 30 Minuten freisetzten, einige aber deutlich schlechter abschnitten. Das steht auf keinem Etikett. Solche Dinge erfährt man nur über unabhängige Tests – ein guter Grund, misstrauisch zu sein, wenn jemand Ergebnisse verspricht, ohne sie zu zeigen.

Die Belege: Was Ginkgo laut aktuellem Wissensstand leistet und was nicht

Hier wird es unbequem, aber es hilft nichts. Das NCCIH, ein US-Institut, das solche Fragen bewertet, erklärt, es gebe keine schlüssigen Belege dafür, dass Ginkgo bei irgendeiner gesundheitlichen Beschwerde hilft, und es sei unklar, ob es die kognitive Leistung gesunder Erwachsener verbessert – ein großer Teil der Forschung ist von geringer Qualität.

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Eine systematische Übersichtsarbeit über 15 randomisierte Studien mit standardisierten Ginkgo-Extrakten bei gesunden Menschen unter 60 Jahren fand keine überzeugenden Belege für einen robusten positiven Effekt auf irgendeinen Aspekt der kognitiven Funktion. Mehrere dieser Studien wiesen methodische Schwächen auf. Die Übersicht ist älter und berücksichtigt neuere Studien nicht; ob die Ergebnisse heute noch gelten würden, wissen wir nicht. Was wir haben, stützt die Annahme nicht, dass Ginkgo bei gesunden Menschen Gedächtnis oder Konzentration verbessert.

Das heißt nicht, dass der Extrakt für alles nutzlos wäre. Es heißt, dass die Belege für den Zweck, den die meisten beim Kauf im Kopf haben – Fokus, Gedächtnis, geistige Klarheit – im besten Fall vorläufig und nicht gesichert sind. Wenn Sie aus diesem Grund kaufen, kaufen Sie mit dieser Erwartung und nicht mit der entgegengesetzten.

Sicherheit: Was das Etikett ebenfalls sagen sollte

Blattextrakt ist für die meisten Erwachsenen in moderaten oralen Mengen wahrscheinlich sicher. Die häufigsten Nebenwirkungen sind Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und Kopfschmerzen. Das ist der Stand des Wissens; alles Weitere – Wechselwirkungen mit Medikamenten, besondere Situationen – ist hier nicht abgedeckt und gehört in ein Gespräch mit einer medizinischen Fachkraft.

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, Medikamente einnehmen, eine diagnostizierte Erkrankung haben oder das Produkt einem Kind geben wollen, sprechen Sie vor dem Kauf mit einem Arzt oder einer Apothekerin. Kein Etikett ersetzt dieses Gespräch, und kein Artikel auch nicht.

Ein konkretes Beispiel für das Lesen

Die Fokus- und Konzentrations-Fruchtgummis von TuttiBear nennen für zwei Fruchtgummis 120 mg Ginkgo-Extrakt, daneben weitere Zutaten. Was Sie dort prüfen können, ist die Extraktmenge; was fehlt und einen Unterschied machen würde, sind der Anteil an Flavonoiden und Lactonen sowie der Gehalt an Ginkgolsäuren. Wenn Sie Produkte vergleichen, legen Sie diesen Maßstab an alle an, auch an dieses: Ein Etikett ohne Charakterisierung des Extrakts verlangt Ihnen einen Vertrauensvorschuss ab.

Dieselben Fruchtgummis enthalten 200 mg Igelstachelbart-Extrakt, 150 mg Bacopa-Extrakt, 100 mg L-Theanin, 100 mg Citicolin, Vitamin B12 und Vitamin B6. Die Einnahme: täglich zwei Fruchtgummis kauen, vorzugsweise nach einer Mahlzeit, und die empfohlene Tagesdosis nicht überschreiten. Das Produkt ist für Erwachsene bestimmt und darf nicht von Kindern verzehrt werden. Für Schwangere und Stillende wird es nicht empfohlen. Es enthält mehrwertige Alkohole; übermäßiger Verzehr kann abführend wirken. Wie jedes Nahrungsergänzungsmittel ersetzt es keine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung und keine gesunde Lebensweise.

Merken Sie, was gerade passiert ist? Das Etikett gab Ihnen die Menge jedes Extrakts und die Warnhinweise, aber nicht die innere Zusammensetzung des Ginkgo-Extrakts. Genau dieselbe Lücke finden Sie bei vielen anderen Flaschen. Der Unterschied ist, dass Sie jetzt davon wissen.

Was Sie jetzt tun können

Nehmen Sie die Flasche, die zu Hause steht, oder die, die Sie kaufen wollen, und stellen Sie drei Fragen. Ist der Pflanzenteil benannt? Stehen die Prozentangaben zu Flavonoiden und Terpenlactonen auf dem Etikett? Ist der Gehalt an Ginkgolsäuren angegeben? Lautet eine Antwort nein, fehlt Ihnen eine Information – und die Kaufentscheidung sollte in dem Wissen erfolgen, nicht trotzdem.

Und wenn Ihr Ziel Konzentration oder Gedächtnis ist: Ginkgo ist dafür keine gesicherte Lösung. Die Forschung steht am Anfang und ist nicht schlüssig. Ein gut gelesenes Etikett bewahrt Sie davor, Geld zu verschwenden; es verwandelt die Belege nicht in das, was wir uns wünschen würden.

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